24.01.08 Tubruk – Marsa Matrou

Tubruk – libysch-ägyptische Grenze – Marsa Matrou

Mit einem Stein und aller Kraft schlägt der Polizist auf das Vorhängeschloss. Nach ein paar Minuten hat er es geschafft und die Gittertür geht auf. Wir stehen oben auf den Klippen über dem Naturhafen Al Burdi und möchten gerne die Gemälde anschauen, die der englische Soldat John Brill hier während seiner Stationierung im 2. Weltkrieg an die Wand seines Raumes im Stützpunkt gemalt hat. Wunderschöne Kohlezeichnungen, die einst die ganze Wand bedeckt haben, aber inzwischen vom Boden aus gesehen zur Hälfte zerstört sind. Das ist auch der Grund für das Vorhängeschloss, spielende Kinder sollen nicht auch noch dem Rest den Garaus machen. Das Schloss gibt es erst seit November, Bernd hat es bei der Rückkehr von der letzten Ägyptentour angeregt und der Vorschlag ist angenommen worden. Leider ist in der Zwischenzeit bereits der Schlüssel verloren gegangen. Aber mit Hilfe der Staatsgewalt kommt man auch anders rein… Der Besuch des früheren Militärstützpunktes lohnt sich. Wenn man vor den Zeichnungen steht und versucht, das Heute auszublenden, bekommt man einen ungewöhnlichen Zugang zum Gefühlsleben eines jungen Soldaten – es ist nicht wie ein Tagebuch, aber die Bilder zeugen von seinen Gefühlen, von Ängsten und Sehnsüchten im Krieg.
Brill 1Brill 3Brill 4
Nach der Besichtigung geht es zur libysch-ägyptischen Grenze. Wir bereiten uns auf einige Stunden Bürokratie vor. Auf der libyschen Seite geht alles sehr schnell, bis auf einmal die Computer ausfallen. Da hilft nur Warten, bis der Strom wieder geht. Die Zeit vertreibe ich mir, indem ich den kleinen Grenzverkehr betrachte. Hochgepackte Minibusse, wie sie uns unterwegs schon entgegen kamen. Derart beladen, dass schon eine kleine hektische Lenkbewegung das Fahrzeug zum kippen bringen kann.
MinibusKennzeichen LibyenAusreise Libyen
Und dann sind die Frauen auch sehr sehenswert. Sie schleppen sich zu Fuß und langsamen Schrittes zur Polizeiabfertigung. Auf dem Rücken haben sie einen Sack, dessen Gewicht komplett durch ein Stirnband getragen wird. Sie sind bekleidet mit langen Röcken, die sich aufblähen wie Reifröcke. Darunter ist das Schmuggelgut. An die Frauen geht kein Zöllner ran. Rolf packt seine Sturmbrillen aus, die er in Deutschland auf einem Flohmarkt aufgetrieben haben. Sie sind gut gegen Sandstürme, aber auch für libysch-deutsches Amüsement an der Grenze.
Sturmbrillen
Nach einer Stunde etwa laufen die Computer wieder und wir können über die libysche Grenze ausreisen. Die ägyptische Seite empfängt uns äußerst freundlich und höflich, aber eben auch mit der bekannten ägyptischen Bürokratie. Es ist ein Stafettenlauf zwischen den einzelnen Stationen. Motornummern werden abgepaust, Fahrzeuge vor-, haupt- und nachkontrolliert, Carnets mehrmals geprüft, Kopien müssen gemacht werden, Versicherungen abgeschlossen etc. Nach etwa 4 Stunden sind alle Fahrzeuge abgefertigt. Die Grenzpolizei will uns nur mit Eskorte losfahren lassen, wir können es ihnen leider nicht ausreden. Zwar ist auf der Strecke von Solloum nach Siwa kein Konvoipflicht, aber sie meinen es gut und wollen hilfsbereit sein. Uns ist es nicht so recht, da wir gerne noch 200 Kilometer fahren möchten, auf der gut ausgebauten zweispurigen und leeren Landstraße, bis wir ein ruhiges Plätzchen in der Wüste finden. Aber Diskutieren hilft nichts, das Polizeifahrzeug führt uns an, die beiden auf der Ladefläche haben sichtlich Spaß, dass sie dem Alltag an der Grenze entkommen. Hinter Solloum wird Bernd ein bisschen ungehalten, weil der Fahrer unseres offiziellen Führungsfahrzeuges einen erschreckenden Fahrstil hat. Er fährt, als ob er einen Kasten Bier intus hätte und schafft es, nicht nur die beiden Fahrspuren im ungewollten Slalom einzunehmen, sondern den Seitenstreifen auch gleich mit. Außerdem wechselt die Geschwindigkeit dauernd grundlos zwischen 60 und 100 km/h. Im nächsten Ort einigen wir uns darauf, dass wir alleine weiterfahren dürfen. Durch die Verzögerung fahren wir nicht ganz so weit wie geplant und suchen uns das erste geeignete Plätzchen nach der Abzweigung nach Süden. Wir freuen uns alle sehr auf eine Dusche und ein Bad im Kleopatrabrunnen morgen in Siwa. Bernd verrät mir die eindeutige Prüfung, woran er merkt, dass mal wieder Wasserkontakt fällig ist: Wenn er sich abends im Zelt die Hose auszieht und ihm dann schlecht wird, ist es soweit. Mit solchen Leuten bin ich hier unterwegs…

21.01. – 24.01. Nabeul – Tubruk

21.01.-24.01. Nabeul – Transit Libyen – Tubruk

„Rolf für Bernd – Rolf hört.“ „René? – Loud and clear.” René antwortet beim morgendlichen Funkcheck.meist auf englisch, überhaupt ist er am Funk immer sehr akkurat, man merkt ihm den alten Flugkapitän an. Wir verlassen gerade unser letztes Camp in Libyen und sind noch 90 km vor Tubruk. Über die Transit-Tage, die hinter uns liegen, ist nicht viel zu sagen.
Der Grenzübertritt nach Libyen hat uns eine Palette Bier gekostet, dafür wurde auf die Kontrolle der anderen Autos verzichtet. Neu am Grenz-Prozedere bei der Einreise nach Libyen ist neben den seit November (wieder) vorgeschriebenen Passübersetzungen ins Arabische, dass jetzt jeder 600 Euro Barschaft vorzeigen muss. Ansonsten ging alles seinen geregelten Gang und wir haben uns aufgemacht zur möglichst schnellen Durchquerung bis zur ägyptischen Grenze. Ein kurzer Abstecher nach Leptis Magna und dann vor allem Fahren. Die Landschaft in Libyens Norden ist nicht besonders aufregend. Schnurgerade Straßen führen durch platte Wüste, die einzigen Abwechslungen sind die Polizeikontrollen, bei denen unser vorgeschriebener Führer Kopien von unseren Genehmigungen abgibt. Der Höhepunkt des Tages ist das Camp. Die freien Plätze sind abgelegen und schön und wer mag, kocht zusammen. Für mich ist es immer ein Phänomen, dass bürgerliche deutsche Küche in der winterlichen Wüste am besten schmeckt. Bei uns gab es also Sauerkraut, Kassler und Kartoffelpüree. Das gibt die nötige Wärme von innen, denn es ist ganz schön kalt. Unsere Gäste, Rudi aus Österreich und René aus Holland, finden das Menu auch genießbar. Ich hoffe, dass ich am nächsten Morgen keinen niederländischen Brathering zum Frühstück als Dankeschön bekomme, René hat Gottseidank keinen im Gepäck. Am ersten Abend halten wir es mit Pudelmützen und Winterjacken noch erstaunlich lange draußen aus und unterhalten uns über Reise-Mißgeschicke. Am zweiten Abend verschwinden wir schon um 8 Uhr im Dachzelt, denn der Wind ist äußerst ungemütlich. In Tubruk ist gleich der größte Teil des Transits geschafft und wir werden uns ausführlich die Sehenswürdigkeiten anschauen. Der deutsche Soldatenfriedhof aus dem 2. Weltkrieg und die „Lady Be Good“, ein amerikanischer B24-Bomber, der in der libyschen Wüste abgestürzt ist und Ende der 50er Jahre bei Öl-Explorationen gefunden wurde. Vor einigen Jahren wurde das Flugzeug aus der Wüste geborgen und nach Tubruk ins Museum gebracht. Anschließend geht es zu dem ehemaligen Hafen Al Burdi, der im Krieg wechselweise von allen Seiten genutzt wurde.
Ich werde mich gleich auf die Suche nach einem Internetcafé machen und in den nächsten Tagen ausführlicher berichten.
Versorgungsfahrzeug
Unser Versorgungsfahrzeug bis Namibia
Camp Libyen

19./20.01.2008 Bellinzona – Nabeul

Aufkleber mit Känguruh
Um 13 Uhr ist Treffpunkt gegenüber vom Terminal, die Meisten aus unserer Gruppe sind schon früher da. Und sogar die Carthage ist pünklich eingetroffen. Wir sind gespannt, wie diesmal die Hafenzufahrt geregelt ist – jedes Mal ist es anders. Diesmal schaffen es die Ordner sogar, die Schilder noch mal umzubauen, als sich längst eine lange Schlange vor einem Tor formiert hat. Da aber die Abfertigung der Autos, die von Tunesien aus gekommen sind, ewig lange dauert, haben wir jede Menge Zeit, noch ein paar Runden zu drehen. Bernd nutzt die Warterei auf seine Art und übt mit unserem Schaf überzeugendes Briefing. Es hört brav zu und unterbricht ihn nicht, wie es sich gehört. Mal sehen, ob die Reisebegleiter genauso willig sein werden.
Briefing-Übung
Das Schiff ist fast leer, als wir ablegen. In der Bar auf Deck 9 stoßen wir traditionsgemäß mit einem Pastis auf die Überfahrt an und nehmen dann unser Dinner ein. Nach dem ganzen Stress der letzten Wochen ist die Fährfahrt für mich wie eine kleine Kreuzfahrt, die ruhig einen Tag länger dauern könnte. Morgens regeln wir die Einreiseformalitäten an Bord und amüsieren uns. Es ist von großem Vorteil, wenn man weiß, welche Zettel man letztlich gestempelt haben muss, um nicht im Hafen Probleme zu bekommen. Die Beamten wissen es wahrscheinlich auch, aber sie lassen einen nicht an ihrem Wissen teilhaben. Wer die Prozedur ohne Kommentar hinter sich bringt, dem fehlt mindestens ein wichtiges Blatt. Unsere Belustigung über das Chaos wird dann im Hafengelände betraft. Denn natürlich haben wir UKW-Funk zur Kommunikation an Bord, was in Tunesien verboten ist. Normalerweise wird es nicht kontrolliert. Diesmal schon.. Es kostet uns 2,5 Std, bis die Geräte ausgebaut und Formulare in 5–facher Ausfertigung gestempelt sind. Dann packt der Zollchef alle Geräte in eine Plastiktüte von Globetrotter und versiegelt das Ganze mit einer offiziellen Plombe. Bis zur libyschen Grenze darf Doris die Tüte hüten. In Nabeul genießen wir gegrillten Fisch, eine letzte Dusche und frische Laken im Hotel, ab morgen wird gecampt.
Zolltüte

Die Funkgeraete gut verplomt