Bolivien: Salzsee ist nicht gleich Salzsee (31.08.15)

Der Tag der Irrnisse und Wirrnisse. Nach dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – aber manchmal verliert er auch“. Wir haben verloren. Wir haben so übel abgeloost. Denn Salzsee ist nicht gleich Salzsee. UND DAS WISSEN WIR DOCH!

Aber manchmal schützt Wissen nicht davor, Dinge zu tun, die man besser lassen sollte. Oder die Klugheit macht gerade Urlaub. Oder der kleine Abenteuerteufel hält einem die Augen zu. Oder es macht einfach nur Spaß, und dann wird es leider ernst. Ich weiß. Die Schlauköpfe werden jetzt hämisch grinsen. Sollen sie doch.

Also. Ich spreche jetzt von Gruppe 2. Von uns, den Nachzüglern. Mit dem langsamen Ohne-Turbo. Von mir als Navigationskünstlerin. Von Bernd als Offroadfahrer mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Ich habe die Tracks in Bolivien zum Salar de Uyuni per Satellitenbild vorbereitet. Ganz genau. Gruppe 1 mit Michael als Führer hat sie von uns bekommen und ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er sehr genau gucken und entscheiden muss, ob das fahrbar ist. Weil Salzseen sind so ziemlich das Heikelste, was es gibt. Er war schlauer, als wir heute. Und hat gleich die Umfahrung auf der Hauptpiste genommen. Wir hingegen lagen auf unserer Aufholstrecke gut in der Zeit (erst am nächsten Abend ist Treffpunkt) und wollten etwas ausprobieren. Leute, es ging derart in die Hose. Wir kommen zum Salar de Coipasa, der nördlich vom Salar de Uyuni liegt. Die klassische Strecke nach Süden ist eine großzügige östliche Umfahrung. Mein abgesteckter Track geht ebenfalls östlich, aber dichter am Salzsee. Was machen wir? Wir sehen eine komprimierte Piste, die direkt in den Salzsee nach Süden führt. Eine Piste, die sonst Reisende nicht nehmen, nur Einheimische. Und wir denken, cool. Ist ja auch unser Job, Wege aufzutun, die sonst keiner fährt. Und es macht Spaß. Selbst der Ohne-Turbo kommt auf der glatten Fläche auf ungeahnte Geschwindigkeiten. Doch dann. Aus der komprimierten Piste wird in kürzester Zeit eine Fläche, wo man nur noch einige  Spuren erkennt. Doch hier kann man nicht umdrehen, denn hier ist es weich. Also Gas geben. Dann meldet sich Marco über Funk „ich stecke“ und etwa 5 Sekunden danach stecken wir auch. Und zwar richtig. Ich merke immer an Bernds Reaktion, ob die Sache ernst ist. Ist sie es, dann wird er ganz ruhig. Beugt seinen Kopf leicht nach vorne und sagt nach einigen Sekunden „ich glaube, das war´s“. Oh.

Wir haben noch eine Chance. Hendrik mit seinem PS-Monster steckt nicht. Halleluja. Ich werde jetzt nicht den Ablauf der Bergungsversuche beschreiben. Aber es haut alles nicht hin. Stundenlang wird geschippt und geackert. Bis zur Erschöpfung. Es ist eigentlich ein Witz, es Schippen zu nennen. Die Schaufel holt Lehm hoch, der fest an ihr kleben bleibt und den man mühsam mit der Hand abstreifen muss. In den Spuren steigt derweil das Wasser. Seile reissen, Winden geben den Geist auf, Hendrik bricht ebenfalls ein, obwohl er auf Sandblechen steht. Hendrik bekommen wir wieder frei, Bernd und Marco stecken weiter. Gau? Jedenfalls ein echter Notfall. Wir brauchen Hilfe, mehr Seile, mehr Sandbleche, mehr helfende Hände. Wir rufen Nachmittags Gruppe 1 an, die schon glücklich auf dem Salar de Uyuni campt und verabreden, uns um 20 Uhr noch einmal zu melden. Noch ist die Hoffnung da, dass wir die Autos frei bekommen. Aber um 20 Uhr müssen wir dann den Anruf tätigen. SOS. Wir brauchen Eure Hilfe.

Marco steckt Bernd steckt Hendrik steckt

Gruppe 1 fährt noch abends los und 5 Stunden durch die Nacht. Sie campen etwa 45 Minuten entfernt. Vielen vielen Dank dafür!!! Morgen früh wird Hendrik sie im nächstgelegenen Ort abholen und hierher lotsen. Unsere Hoffnung ist, dass am frühen Morgen der matschige Boden angefroren ist, dass eine Bergung erleichtert wird.

Wir campen in den festgefahrenen Autos. Bernd rollt gemütlich auf mich drauf, denn wir haben gehörige Schräglage.

Marco sagte mir vor einigen Tagen, es wäre sein größter Wunsch, auf einem Salzsee zu campen. Voilà 🙂 (Soviel zum Thema, wie genau man seine Wünsche formulieren sollte).

Ist doch nichts normal (ich zitiere Marco).

Ist doch nicht so schlimm, kriegen wir wieder hin (wieder Zitat Marco und mein fester Glaube).

Gruppe 1

war natürlich bis zu meinem Anruf Nachmittags nichtsahnend. Sie haben den Salzsee Salar de Uyuni genossen. Sichere Hochgeschwindigkeitsfahrten gemacht und ihr Camp an einer Insel im See aufgeschlagen, ganz romantisch, mit eigenener Badebucht.

Kamele auf dem Salar Uyuni 3 Uyuni Fahrt Uyuni Sterne

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