Bolivien: Salar de Uyuni (02.09.15)

Es gibt sie also doch. Diese endlosen, glatten, trockenen Salzseen, über die man mit Begeisterung fahren kann. Der Salar de Uyuni – die größte Salzpfanne der Erde. Lang ersehnt und ein echtes Highlight.

Gruppe 1 kam ja schon in den Genuß, bevor sie gestern ihr Camp für uns wieder verlassen mussten. Sie fahren darum voraus zum Salzhotel, wo wir heute nächtigen.

Gruppe 2, die Versunkenen, genießt die neue Freiheit.

Totale UyuniEndlos erstreckt sich das gleißende Weiß. Während die anderen Hochgeschwindigkeitsfahrten machen (Maximalgeschwindigkeit 147 km/h, Zitat Waltraud über Funk: „Scheiß auf den Diesel, gib Gas!“) – legen wir einen gemütlicheren Gang ein. Allerdings hat unser Toyota mangels Turbo in dieser Höhe auch sichtlich ein Defizit.

ohne Turbo auf dem SalzseeMarco macht Filmaufnahmen mit der Drohne und anschließend sind natürlich die obligatorischen Fotos dran, die man hier so macht.

Salar de Uyuni Marco und Hendrik Salar de Uyuni Angela und BerndWir sind wieder versöhnt mit dem Salz. Allerdings – was sich unter dieser stabilen Kruste verbirgt, lässt einem wieder die Knie schwach werden. An einigen Stellen auf der Hauptpiste gibt es Löcher. Und wenn man reinschaut, sieht man noch nicht mal Matsch, sondern relativ klares Wasser. Ohne festen Grund in Sicht. Ohwei. Schnell weg.

SalzkrusteUnser Hotel am Rand des Sees ist komplett aus Salz gebaut, es ist sehr geschmackvoll. Nach ausgiebigen Duschen genießen wir erst den Sonnenuntergang über dem See – und dann das leckere Buffet.

Salar de Uyuni Salar de Uyuni 2

Bolivien: Neues vom Salzsee (01.09.15)

Es ist noch dunkel, als Hendrik und Günther losfahren, um die anderen zu treffen und hierher zu lotsen. Sie kommen überpünktlich zum Treffpunkt und wir hören bald über Funk, dass sie anrücken.

Der Plan ist, dass erst Marcos Landy befreit werden soll, da er relativ leicht ist und dann anschließend mit seiner Winde bei unserem Toyota helfen kann. Sein Auto steht mittlerweile so tief im Schlamm, dass sich das Heck schon festgesaugt hat. Mit viel Schaufelei und dem unermüdlichen Einsatz des Hijacks bekommen sie das Auto so weit hochgehieft, dass Sandbleche unter die Räder passen. Vorher wurden die Spuren noch mit Steinen ausgelegt, um etwas mehr Halt zu bieten. Es ist eine wirkliche Plackerei, und erst der Anfang. Die zusätzlichen Bergegurte werden an das Windenseil geknotet, damit Hendrik, der das Auto anziehen soll, möglichst weit entfernt stehen kann. Rund um Marcos Auto ist es nämlich sehr weich und Hendrik droht, sonst einzusinken. Hendrik stellt sich ebenfalls auf Sandbleche, um zu vermeiden, dass sich seine Räder eingraben. Die Taktik geht auf, Marco ist frei.

Bergung Marco Salzschlamm

Die komplette Bergeaktion dauert dann allerdings den ganzen Tag. Ich erspare jetzt alle Details. Aber bei dem Versuch, unseren Toyota freizuziehen, sackt Hendrik wieder ein und es dauert Stunden, bis er rauskommt. Günther fragt schon vorsichtig an, was wohl ein Hubschraubereinsatz zur Bergung kosten möge.

Hendrik steckt

Nicole und Annkathrin buddeln ebenfalls stundenlang unter unserem Auto rum – mit bloßen Händen baggern sie den Matsch heraus. Holz und Steine werden gesucht und kübelweise in die Spuren gekippt. Auch hier kommt der Hijack wieder ausgiebig zum Einsatz.

Bernd steckt

Schließlich und endlich zieht Marco mit seiner Winde und Verlängerung den Toyota Zentimeter für Zentimeter raus. Vier Leute sind damit beschäftigt, eine Fahrspur aus Sandblechen zu legen und rennen dauernd mit den Blechen von hinten nach vorne. Denn inzwischen ist die gesamte Fläche hier wie Pudding.

Am späteren Nachmittag schließlich sind alle Autos wieder frei und alle Menschen am Ende ihrer Kräfte. Es folgt noch ein Staffellauf über mehrere hundert Meter – wir haben unser Auto fast komplett ausgepackt, um es leichter zu machen. Jetzt muss der ganze Kram über den See zum Auto getragen werden.

Fazit: Lass Dich niemals von einem Salzsee foppen und freu Dich, wenn Du mit einer solchen Gruppe unterwegs bist.

Ihr seid echte Helden!

Bolivien: Salzsee ist nicht gleich Salzsee (31.08.15)

Der Tag der Irrnisse und Wirrnisse. Nach dem Motto: „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – aber manchmal verliert er auch“. Wir haben verloren. Wir haben so übel abgeloost. Denn Salzsee ist nicht gleich Salzsee. UND DAS WISSEN WIR DOCH!

Aber manchmal schützt Wissen nicht davor, Dinge zu tun, die man besser lassen sollte. Oder die Klugheit macht gerade Urlaub. Oder der kleine Abenteuerteufel hält einem die Augen zu. Oder es macht einfach nur Spaß, und dann wird es leider ernst. Ich weiß. Die Schlauköpfe werden jetzt hämisch grinsen. Sollen sie doch.

Also. Ich spreche jetzt von Gruppe 2. Von uns, den Nachzüglern. Mit dem langsamen Ohne-Turbo. Von mir als Navigationskünstlerin. Von Bernd als Offroadfahrer mit jahrzehntelanger Erfahrung.

Ich habe die Tracks in Bolivien zum Salar de Uyuni per Satellitenbild vorbereitet. Ganz genau. Gruppe 1 mit Michael als Führer hat sie von uns bekommen und ich habe ihn darauf hingewiesen, dass er sehr genau gucken und entscheiden muss, ob das fahrbar ist. Weil Salzseen sind so ziemlich das Heikelste, was es gibt. Er war schlauer, als wir heute. Und hat gleich die Umfahrung auf der Hauptpiste genommen. Wir hingegen lagen auf unserer Aufholstrecke gut in der Zeit (erst am nächsten Abend ist Treffpunkt) und wollten etwas ausprobieren. Leute, es ging derart in die Hose. Wir kommen zum Salar de Coipasa, der nördlich vom Salar de Uyuni liegt. Die klassische Strecke nach Süden ist eine großzügige östliche Umfahrung. Mein abgesteckter Track geht ebenfalls östlich, aber dichter am Salzsee. Was machen wir? Wir sehen eine komprimierte Piste, die direkt in den Salzsee nach Süden führt. Eine Piste, die sonst Reisende nicht nehmen, nur Einheimische. Und wir denken, cool. Ist ja auch unser Job, Wege aufzutun, die sonst keiner fährt. Und es macht Spaß. Selbst der Ohne-Turbo kommt auf der glatten Fläche auf ungeahnte Geschwindigkeiten. Doch dann. Aus der komprimierten Piste wird in kürzester Zeit eine Fläche, wo man nur noch einige  Spuren erkennt. Doch hier kann man nicht umdrehen, denn hier ist es weich. Also Gas geben. Dann meldet sich Marco über Funk „ich stecke“ und etwa 5 Sekunden danach stecken wir auch. Und zwar richtig. Ich merke immer an Bernds Reaktion, ob die Sache ernst ist. Ist sie es, dann wird er ganz ruhig. Beugt seinen Kopf leicht nach vorne und sagt nach einigen Sekunden „ich glaube, das war´s“. Oh.

Wir haben noch eine Chance. Hendrik mit seinem PS-Monster steckt nicht. Halleluja. Ich werde jetzt nicht den Ablauf der Bergungsversuche beschreiben. Aber es haut alles nicht hin. Stundenlang wird geschippt und geackert. Bis zur Erschöpfung. Es ist eigentlich ein Witz, es Schippen zu nennen. Die Schaufel holt Lehm hoch, der fest an ihr kleben bleibt und den man mühsam mit der Hand abstreifen muss. In den Spuren steigt derweil das Wasser. Seile reissen, Winden geben den Geist auf, Hendrik bricht ebenfalls ein, obwohl er auf Sandblechen steht. Hendrik bekommen wir wieder frei, Bernd und Marco stecken weiter. Gau? Jedenfalls ein echter Notfall. Wir brauchen Hilfe, mehr Seile, mehr Sandbleche, mehr helfende Hände. Wir rufen Nachmittags Gruppe 1 an, die schon glücklich auf dem Salar de Uyuni campt und verabreden, uns um 20 Uhr noch einmal zu melden. Noch ist die Hoffnung da, dass wir die Autos frei bekommen. Aber um 20 Uhr müssen wir dann den Anruf tätigen. SOS. Wir brauchen Eure Hilfe.

Marco steckt Bernd steckt Hendrik steckt

Gruppe 1 fährt noch abends los und 5 Stunden durch die Nacht. Sie campen etwa 45 Minuten entfernt. Vielen vielen Dank dafür!!! Morgen früh wird Hendrik sie im nächstgelegenen Ort abholen und hierher lotsen. Unsere Hoffnung ist, dass am frühen Morgen der matschige Boden angefroren ist, dass eine Bergung erleichtert wird.

Wir campen in den festgefahrenen Autos. Bernd rollt gemütlich auf mich drauf, denn wir haben gehörige Schräglage.

Marco sagte mir vor einigen Tagen, es wäre sein größter Wunsch, auf einem Salzsee zu campen. Voilà 🙂 (Soviel zum Thema, wie genau man seine Wünsche formulieren sollte).

Ist doch nichts normal (ich zitiere Marco).

Ist doch nicht so schlimm, kriegen wir wieder hin (wieder Zitat Marco und mein fester Glaube).

Gruppe 1

war natürlich bis zu meinem Anruf Nachmittags nichtsahnend. Sie haben den Salzsee Salar de Uyuni genossen. Sichere Hochgeschwindigkeitsfahrten gemacht und ihr Camp an einer Insel im See aufgeschlagen, ganz romantisch, mit eigenener Badebucht.

Kamele auf dem Salar Uyuni 3 Uyuni Fahrt Uyuni Sterne